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Dokumentation: Chronik, Pressestimmen, Bilder, O-Töne

Der "Experimentalchor Alte Stimmen" versteht sich nicht nur als Selbstzweck, sondern auch als ein künstlerisches Forschungsprojekt mit "Laborcharakter". Aus diesem Grund finden sich - für Nachahmer und Interessierte - auf dieser Seite fortlaufend ausführliche Hintergrundberichte, Rezensionen und anderes dokumentarisches Material zur Arbeit des Chores.

 

Herbst 2013: Farben tanzen, Phrasen dreschen

Herbst 2013: zwitschern und sungen. Gemeinsames Konzert mit der AG Neue Musik Grünstadt

2013: Ein weiteres Jahr "Alte Stimmen!

Januar 2013: Kinostart "Das Lied des Lebens"

Sängerinnen und Sänger über ihren Chor

Mai, Juni 2012: Alte Stimmen philharmonisch

Frühjahr 2012: Dreharbeiten "Das Lied des Lebens"

Winter 2011/12: Ein eigenständiger "Experimentalchor Alte Stimmen" in Troisdorf

Herbst 2011: Internationales Vokalfestival in Köln

Mai / Juni 2011: Erste Auftritte

Frühjahr 2011: Neue Erfahrungen - organisatorische Hürden

Anfang 2011: Die ersten Proben

November 2010: Gründung des Chores

 

 

Blau tanzen, rot singen, Phrasen dreschen

Alte Stimmen zu Gast in Wuppertal: Zwei Experimentalchöre begegnen sich in einem gemeinsamen Konzert.

Veranstalter: Referat Kultur und Musik, Ev. Kirchenkreis Wuppertal

Der Wuppertaler TanzChor60+ unter Leitung von Hilde Kuhlmann und Milton Camilo präsentiert seine Performance „Blau tanzen. Rot singen“. Eine Farbe tanzbar zu machen, den Farbenrausch zu singen, beides gleichzeitig, nacheinander oder miteinander: Das ist das Thema der Wuppertaler Singtänzerinnen und Tanzsänger zwischen 60 und 78 Jahren.

Der Experimentalchor Alte Stimmen (Köln/Troisdorf) steuert dazu ein „Best-of-Programm“ aus seinem Repertoire bei: Gesungene Lebenslieder und geflüsterte Haikus, einen herbstlichen Jazzstandard und eine kurzweilige „Phrasendreschmaschine“.

Donnerstag, 17.Oktober 2013, 19 Uhr
Immanuelskirche Wuppertal
Sternstraße/von Eynernstraße
Eintritt: 12,-/8,- Euro

(TanzChor60+ und Experimentalchor Alte Stimmen)

 

zwitschern & sungen

Experimentalchor Alte Stimmen und AG Neue Musik Grünstadt

Im Auftrag des Kultursommers Rheinland-Pfalz. Eine Kooperation mit der AG Neue Musik des Leininger-Gymnasiums Grünstadt.

„Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen“: Ein Gipfeltreffen der besonderen Art wird am Samstag, dem 7. September, 18.00 Uhr im Rahmen des Kultursommer Rheinland-Pfalz stattfinden: In Schloss Engers (Alte Schloßstraße 2, 56566 Neuwied-Engers) werden zwei der originellsten und ungewöhnlichsten experimentellen Laienensembles Deutschlands aufeinandertreffen.

(Fotos: Jane Dunker)

Die AG Neue Musik des Leininger-Gymnasiums Grünstadt (seit 1996 geleitet von Silke Egeler-Wittmann) ist Deutschlands dienstältestes Schulensemble für zeitgenössische Experimentalmusik. Sie besteht lückenlos seit 1970 und hat zahlreiche Stücke namhafter Komponisten uraufgeführt, die heute als vielzitierte „Klassiker“ gelten. Auf zahlreichen Konzertreisen und Musikfestivals sorgte die AG immer wieder für Aufsehen und Zuspruch in Fachkreisen. Auch in diesem Jahr wird sie mit einem eigenen Programm bei den renommierten Donaueschinger Musiktagen dabei sein – eine Ehre, die sonst nur professionellen Spitzenensembles zuteil wird.

Für das gemeinsame Konzert in Neuwied haben sich die "Alten Stimmen" und die Grünstädter AG mit Sprichwörtern und Redewendungen beschäftigt und daraus eigene Stücke entwickelt. Inhaltlich reicht das Programm von der Komposition „Ha pasado un ángel“ (deutsch: „ein Engel geht vorüber“) für Stimmen und Gläser von Johannes Voit, über eine Collage zum Thema „Schweigen“ bis hin zu einer polemischen Sprichwort-“Küchenschlacht“ inkl. kunstvoller Rezitation von diversen EU-Nahrungsmittel-Skandalen.

Eine Veranstaltung des Kultursommers Rheinland Pfalz "Eurovisionen".

 

 

 

2013: Ein weiteres Jahr "Alte Stimmen"

Nach ursprünglicher Planung wäre die Förderung durch die Stuttgarter Addy-von-Holtzbrinck-Stiftung eigentlich mit Ende des Jahres 2012 beendet gewesen. Dankenswerterweise hat die Stiftung ihre Förderung um ein weiteres Jahr verlängert. Unser Chor kann also ein Jahr weiterarbeiten!

Wir freuen uns!

(Foto: privat)

 

 

 

Januar 2013: Kinostart "Das Lied des Lebens"

Zehn Monate lang hat die Kölner Dokumentarfilmerin Irene Langemann die Arbeit des Experimentalchors Alte Stimmen mit der Kamera begleitet. In hochemotionalen Bildern fängt die mehrfach für ihre Musikfilme ausgezeichnete Regisseurin das allmähliche, tastende Entstehen von Musik ein. Dabei konzentriert sie sich vor allem auf die biographischen Aspekte dieser Begegnungen. Ihr Film erzählt exemplarisch die Geschichte von fünf Projektteilnehmern zwischen 70 und 92 Jahren. Aus ihren biografischen Erinnerungen und Lebensthemen entstehen im Verlauf des Filmes neue Kompositionen und Improvisationen: „Lieder des Lebens“, die stellvertretend die Träume und Traumata einer ganze Generation bebildern.

 

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Sängerinnen und Sängern des „Experimentalchors Alte Stimmen“ über ihren Chor

Aus der Pressemappe zu "Das Lied des Lebens"

„Ich singe so gerne, dass ich dies bis zum letzten Tag tun möchte. Singen bereitet mir unbändige Freude. Die Mitgliedschaft in unserem Chor ist für mich sehr wichtig. Sie gibt mir eine Aufgabe, auf die ich mein Leben ausrichten kann. Nach dem Tod meiner Frau im Jahre 2006 stellt so eine Aufgabe einen wichtigen Halt für mich dar.“

„Die Stimme in so ungewöhnlicher Vielfalt einzusetzen macht große Freude. Als langjährige Chorsängerin hätte ich nie gedacht, dass ich meine Stimme auf so ungewöhnliche Weise „klingen“ lassen könnte und vor allem noch einmal so etwas ganz Neues zu lernen.“

„Ich war begeistert, neue Türen öffneten sich.“

„Es war damals für mich eine sehr schwere Zeit. Was das Singen im Chor danach für mich bedeutete, kann ich gar nicht hoch genug bewerten. Ich durfte mit großer Freude singen, und ich durfte weinen, und es hat mir so geholfen, mit meiner Trauer zu leben.“

„Die Ärzte sollten ihren Patienten das Singen auf Rezept verordnen, Psychopharmaka wären dann sicher in vielen Fällen nicht notwendig.“

„Ich bin 83 Jahre alt, und ständig wird es einem bewusst, dass man dies und das nicht mehr kann, dass man mit Jüngeren nicht Schritt halten kann. Aber singen kann ich noch, und das ist für mich eine beglückende Erkenntnis.“

„Nie hätte ich gedacht, dass ich auf meine alten Tage (in Jahren sind es 73) noch mal nach Noten singen lernen könnte.“

„Während in anderen Gesangsvereinen diese Altersgruppe aussortiert wird, gibt unser Chorleiter Bernhard König mit seinem Team Alexandra Naumann und Ortrud Kegel jedem eine Chance an seinem Experiment teilzunehmen.“

„Obwohl das Singen und Improvisieren in dieser Art für mich völlig neu ist, macht es mir sehr große Freude.“

„Seit unserem ersten Chortreffen im November 2010 habe ich keine Probe versäumt!“

„Dass die Öffentlichkeit auf unseren Experimentalchor aufmerksam geworden ist, liegt sicherlich vorrangig an unseren drei wunderbaren Chorleitern. Was aber jeder von uns "Alten" an Begeisterung, Freude und Stimmvolumen einbringt, ist beglückend zu hören und mitzuerleben.“

„Der Chor „Alte Stimmen“ will kein professioneller, elitärer Chor sein, der nur ausgezeichnete Stimmen akzeptiert. Keine Stimme wird ausgegrenzt oder gar als störend abgelehnt. Es handelt sich also um einen in Deutschland wohl einmaligen Chor, in dem es keine Außenseiter geben kann. Gerade weil wir kein erlesener Elitechor mit perfektem „Sound“ sind, können unsere Chorleiter ohne die Fesseln herkömmlicher musikalischer Standards bzw. Regeln völlig frei - oft aus einer plötzlichen Eingebung heraus - ganz neue Wege musikalischer Ausdruckskraft gehen. Das wird dann für uns Mitwirkende ein faszinierendes, mitreißendes Abenteuer.“

„Ein wahres Rezept gegen „Alterseinsamkeit“ und „Altersverbitterung“!“

„Als Kind klang meine Stimme hell und klar. Jetzt zittert sie zuweilen. Genau das ist es, was nun in unserem Chor zugelassen - ja manchmal gar erwartet oder erwünscht wird. Denn ich habe gelernt, durch Mimik und Körperausdruck meine Stimme zu einem neuen Klang herauszufordern.“

„Dieses Experiment "Alte Stimmen" ist ein Highlight für Seele, Geist und Körper. Es erspart mit Sicherheit manchen altersbedingten Arztbesuch!“

„Erstaunlich, was man plötzlich alles kann, das man sich nie zugetraut hätte. Und was ganz wichtig ist: es gibt keinen Erfolgsdruck sondern nur viel Spaß bei den Proben. Es wird viel gelacht!“

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Mai/Juni 2012: Alte Stimmen philharmonisch

Foyer der Kölner Philharmonie, 6. Mai 2012: Songbooks von John Cage

Zusammen mit Studierenden der Hochschule für Musik und Tanz Köln und Ensemblemitgliedern des Schauspiels Köln führt der Experimentalchor Alte Stimmen im Rahmen des Festivals ACHT BRÜCKEN Ausschnitte aus John Cages Song Books auf.

Die Leitung haben Ortrud Kegel und Melvyn Poore von der musikFabrik.

 

Alte Stimmen philharmonisch (2):

Alfried Krupp Saal der Essener Philharmonie, 29. Juni 2012: "Mein Lied, my song..."

Eine interkulturelle und experimentelle Liederrevue. Für das Programm "Mein Lied. My song. Benim sarkim. Moja piosenka" haben die Sängerinnen und Sänger eigene biographische Erlebnisse zum Ausgangspunkt neuer Kompositionen gemacht. Mehr dazu...

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Frühjahr und Sommer 2012: Dreharbeiten "Das Lied des Lebens"

Die für ihre Musikdokumentarfilme vielfach ausgezeichnete Regisseurin Irene Langemann dreht einen ca. 90minütigen Dokumentarfilm über das Projekt Alte Stimmen. Eine erste Kostprobe:

 

 

Zusammen mit ihrer Kölner Produktionsfirma Lichtfilm gelang es Langemann, die Sender SWR, WDR und Arte sowie die Film und Medienstiftung NRW für diese Produktion zu gewinnen. Über mehrere Wochen hinweg begleitet ihr Filmteam nun die Probenarbeit für den Auftritt in der Essener Philharmonie: Für den Chor ein echtes Abenteuer!

 

 


Der Film thematisiert mit dem Kölner Experimentalchor und der musikalischen Arbeit im Stuttgarter Altenheim Haus Sonnenberg zwei Schauplätze des Projektes "Alte Stimmen". Im Mittelpunkt der filmischen Erzählungen sollen dabei jeweils drei Protagonisten aus Köln und Stuttgart stehen. Die musikalische Arbeit in den Chorproben und im Altenheim wird mit biographischen Interviews dieser Protagonisten verknüpft.

Fotos oben: Das Filmteam (Kamera: Dieter Stürmer; Ton: Mustafa Özakbiyik) bei der Arbeit.

Foto links: Die Regisseurin Irene Langemann mit dem 91jährigen Chor-Protagonisten Alfred Adamczak aus Köln (alle Fotos: Jane Dunker).

 

 

 

 

 

 

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Winter 2011/12: Ein eigenständiger "Experimentalchor Alte Stimmen" in Troisdorf

2010 waren wir mit unserem Chor zweigleisig gestartet und hatten parallel in Köln und Troisdorf geprobt. Die Proben in Troisdorf waren gemeinsam von Brigitte Rauscher, Bernhard König und Monika Winterson geleitet worden.

Im Lauf des Jahres 2011 zeichnete sich dann ab, dass eine Fortsetzung dieses zweigleisigen Angebotes im Rahmen des stiftungsgeförderten Projektes "Alte Stimmen" aus finanziellen und zeitlichen Gründen nicht länger möglich sein würde. Daraufhin entschloss sich Brigitte Rauscher, die zugleich Kantorin der Evangelischen Kirchengemeinde Troisdorf ist, den Troisdorfer Chor aus eigenen Kräften fortzuführen.

Seit Winter 2011/12 steht der Experimentalchor Alte Stimmen Troisdorf nun unter ihrer Leitung auf ganz eigenen Beinen. Die Proben des Troisdorfer Chores finden 14-tägig mittwochs in der Johanneskirche Troisdorf statt. Zum Programm gehören Stimmbildung, Improvisation, weltliche und geistliche Literatur. Der Chor versteht sich als interkonfessionelles und überregionales Angebot.

Für größere Projekte wie den geplanten Auftritt in der Essener Philharmonie im Juni 2012 werden wir aber wie bisher an einem Strang ziehen: Die Chöre proben in diesem Fall getrennt und treten gemeinsam auf.

(Quelle Foto: www.ekasur.de)

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Herbst 2011: Internationales Vokalfestival in Köln

Samstag, 19. November, Kartäuserkirche im Rahmen von INVOCATION – Internationale Stimmnacht

("Alte Stimmen" meet Phil Minton)

 

Aus dem Ankündigungstext:

2010 wurde der „Experimentalchor Alte Stimmen“ ins Leben gerufen – nun präsentiert er sich im Rahmen der „Internationalen Stimmnacht“ erstmals öffentlich in Köln. Alle Kompositionen und Arrangements sind eigens für unseren Chor entstanden; die Bandbreite reicht vom konventionell-vierstimmigen „Alte-Stimmen-Tango“ bis zu improvisatorischen Sprechstücken und Vokalimprovisationen.

Freuen Sie sich also auf „die Elsbeth“ und „Herrn Pferd“, auf eine schräge Moritat und auf Jazzstandards mit obligatem Greisensolo. Und wenn Sie abends um acht sonst immer die Nachrichten hören: Die bekommen Sie in unserem Konzert gratis mitgeliefert. Mit Chorbegleitung.

Gastsolisten: Johannes Dette (Tenor), Christiane Wedel (Sprecherin)

Unser Auftritt steht nicht für sich, sondern ist eingebettet in eine lange Konzertnacht am Samstag, dem 19. November 2011 von 20.00h bis circa 1.30h nachts: Experimentelle Laienchöre, Vokalartisten und Konzeptkünstler zwischen „Noise“ und „Voice“, Meister der improvisierten und der Alten Musik begegnen sich in der Kölner Kartäuserkirche.
Die Konzerte können einzeln oder als komplettes „Paket“ besucht werden (Eintrittspreise: s.u.).
Den Auftakt macht um 20.00h der Experimentalchor Alte Stimmen zusammen mit dem Feral Choir Köln unter der Leitung von Phil Minton sowie dem kosmosVOKALensemble des St. Georg-Kantors Frank Stanzl.
Um 22.00h ein Konzert mit der norwegischen Sängerin, Komponistin und Geräusch-künstlerin Maja Ratkje und dem Phil Minton Quartett.
Mitternächtlicher Ausklang mit mittelalterlichem Anklang: Um null Uhr interpretiert der Sänger, Komponist und Harfenist Benjamin Bagby Auszüge aus dem altenglischen „Beowulf“-Epos.

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Mai / Juni 2011: Erste Auftritte beim 33. Evangelischen Kirchentag in Dresden

(Solistinnen Ortrud Kegel und Christiane Wedel. Foto: Eckhard Leue)

 

Eine erste Auftrittsgelegenheit hat sich ergeben: Eine „Politische Nachtmusik“ im Rahmen des Evangelischen Kirchentags in Dresden. Wir bereiten ein Stück für Nachrichtensprecherin und improvisierenden Chor vor. Christiane Wedel, eine professionelle WDR-Sprecherin, liest tagesaktuelle Nachrichten, der Chor reagiert darauf mit zuvor festgelegten und eingeübten Improvisationsmodellen: Gesungene Echos von Politikernamen und anderen Schlüsselbegriffen zum Beispiel, die – in Kombination mit den nüchtern vorgetragenen Nachrichtentexten – fast zwangsläufig eine gewisse Komik entwickeln. Auf der anderen Seite der emotionalen Skala stehen ernste Nachrichten bis hin zu Katastrophenmeldungen, deren angemessene „musikalische Kommentierung“ zu einer ästhetischen Gratwanderung wird.

Statt in der gewohnten 70-80köpfigen Besetzung reisen wir bloß mit einem kleinen Kammerchor nach Dresden: Viele haben sich aus Kosten- oder Zeitgründen gegen die Reise entschieden, andere kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Im Verlauf eines intensiven Probenwochenendes erreicht unsere Kirchentagsdelegation ein beachtliches Maß an Bühnenpräsenz. Die „Politische Nachtmusik“, eine für Kirchentagsverhältnisse sehr experimentelle Mischung aus Talk, Lesungen und musikalischen Beiträgen, erweist sich als ein Format, das durchaus auch einige dramaturgische Schwächen aufweist – doch die Auftritte des Experimentalchores gelten vielen Besuchern als erklärtes „Highlight“.

Als wir tags drauf – in einer Veranstaltung mit dem schönen Titel „Alter schützt vor Singen nicht“ – erstmals den „Alte-Stimmen-Tango“ öffentlich aufführen, werden unsere Sängerinnen und Sänger bejubelt wie Popstars.

 

Presse

Petra Bahr: „Volles Stimmrecht“, DIE ZEIT (Beilage „Christ&Welt), 24/2011

Musik hält jung, heißt es gern. Aber das ist nur die eine Hälfte der Wahrheit. Der Musik hört man auch das Alter der Musiker und Musikerinnen an. Das soll niemanden vom Singen und Spielen abhalten. Im Gegenteil. Aber die ehrliche Einschätzung der eigenen Fähigkeiten gehört dazu. Auf dem Kirchentag hat sich ein Chor vorgestellt. „Alte Stimmen“ heißt die Truppe. „Für den Sopran reicht es nicht mehr“, erzählt eine Dame um die siebzig mit grauer Kurzhaarfrisur. „Jetzt machen wir Experimente mit Stimmen, Geräuschen und Texten. Und plötzlich wollen Zwanzigjährige mit uns Musik machen. Ist das nicht klasse?“

Dorothee Adrian: „Der Klang des Alters“, Deutschlandradio Kultur (Religionen), 28.5.2011

Dieser Chor soll kein "Auffangbecken" für ausgediente Sänger sein. Im Mittelpunkt steht der künstlerische Anspruch. (…) Ein Nachrichtensprecher liest Nachrichten, der Chor improvisiert mit Zwischenrufen und Gesängen. Beim Evangelischen Kirchentag in Dresden führen die alten Stimmen dieses Chor-Experiment vor. Begleitet von Bläsern reagieren sie auf tagesaktuelle Nachrichten, vorgetragen von einer professionellen Radiosprecherin. (…) Die "alten Stimmen" wissen jetzt, dass sie etwas ganz Besonderes sind.

Der vollständige Rundfunkbeitrag auf Deutschlandradio Kultur zum Anhören.

Ein weiterer Pressebericht aus dem Troisdorfer Lokalteil des Kölner Stadtanzeigers.

 

O-Ton

Bericht eines Besuchers der Kirchentagsveranstaltung "Alter schützt vor Singen nicht":

"Die Kantorin Brigitte Rauscher aus Troisdorf stellte uns diesen Projekt-Chor vor, der uns mit einem fast schon kabarettistischen Tango 'Die Alten Stimmen' begeisterte." (...) "Mir als fast-70-jährigem gab diese Veranstaltung mit viel Praxis-Bezug Hoffnung und Zuversicht auch nach dieser 'magischen' Grenze noch zu singen und auch singen zu können."

Der vollständige Bericht des Kirchentags-Besuchers zum Nachlesen.

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Neue Erfahrungen - Organisatorische Hürden

Zu Beginn unserer Arbeit konnte sich kaum einer der Chorist(inn)en etwas unter dem Begriff „Experimentalchor“ vorstellen. Die meisten haben eine konventionelle Chorarbeit nach Noten erwartet und sind einigermaßen überrascht, als wir sie zur Begrüßung auffordern, sich nicht in vier Stimmen zu sortieren, sondern Männlein und Weiblein bunt zu mischen. Es wird nicht die einzige Überraschung bleiben: Von Anfang an konfrontieren wir den Chor mit körper- und wahrnehmungsbetonten Einsingübungen, mit freimetrischen Kanons, Klangfarbenimprovisationen, Flüster- und Sprechstücken.

Auch unser Leitungsteam sammelt neue Erfahrungen: Die kontinuierliche Arbeit mit einer Gruppe von dieser Größe zum Beispiel. Rein musikalisch lernen wir die Qualitäten eines großen Chores schnell zu schätzen – organisatorisch stellt er uns vor manche Herausforderung. Etwa beim Thema „Kommunikation“: Rund ein Drittel unserer Senioren haben zu Beginn der Proben noch keinen eigenen Internetzugang, gleichzeitig sind wir als Chor ohne festen Probenort und mit häufigen Ausweichquartieren auf eine ständige, funktionierende Kommunikation angewiesen, deren telefonische Abwicklung uns in dieser Größenordnung massiv überfordern würde. Mit Hilfe von „E-Mail-Patenschaften“ lässt sich das Problem kurzfristig lösen, im Lauf der Zeit werden dann einige Sängerinnen und Sängern die Gelegenheit ergreifen, sich erstmals im Leben eine eigene Mailadresse zuzulegen.

Eine weitere Schwierigkeit: Die unterschiedlichen Vorerfahrungen. Manche unserer Sängerinnen und Sänger bringen jahrzehntelange Chorpraxis mit, andere haben noch nie zuvor mehrstimmig gesungen: Ein erheblicher Spagat, diese unterschiedlichen Voraussetzungen unter einen Hut zu bekommen. So lassen sich die weniger Routinierten bereitwillig auf das Abenteuer ein, im Anschluss an die Chorproben von Ortrud Kegel in die Geheimnisse der Notenschrift eingeführt zu werden.

Nach einigen Wochen zeichnet sich zudem ein starkes „Stadt – Land – Gefälle“ ab: Parallel zum Kölner Chor ist ein kleinerer Ableger in der benachbarten Kleinstadt Troisdorf entstanden. Hier gestaltet sich die Rekrutierung und Motivation der Mitwirkenden deutlich schwieriger. Die Gruppe ist von Anfang an sehr viel kleiner und kulturell homogener - fast alle Mitwirkenden stammen aus dem Umfeld der evangelischen Gemeinde. Unser experimenteller Ansatz, der in Köln auf so große Begeisterung stößt, sorgt hier bei einigen Sängerinnen und Sängern für Irritationen und Widerstand. Die Weiterexistenz des Troisdorfer Chores steht auf der Kippe: Offenbar bedarf es hier einer anderen Konzeption.

 

O-Töne

von Choristinnen und Choristen (aus: Deutschlandradio Kultur „Religionen“ vom 28.5.2011)

„Komm, wir experimentieren mal! Töne von sich geben, auch ganz verrückte Töne, hohe, tiefe, sprechen, singen, ziehen, Vokale, - das ist ja ziemlich neu! Und ich liebe es fast genauso viel wie das Singen, wenn nicht mehr, dieses Experimentieren! Und das geht uns ja vielleicht n bisschen verloren, das machen Kinder noch, und dass das hier noch mal so belebt wird, das ist fantastisch!“

„Es ist nicht alles machbar, aber es fordert uns zum Nachdenken, zum Ausprobieren, und eben nicht alt zu sein!"

„Vor allen Dingen ist es auch sehr schön für mich zu sehen, wenn wir ankommen - wir sind ja nun alle über 70! - und wie wir weggehen, wie die Gesichter sich verändert haben. Wie die ganze Atmosphäre anders geworden ist!"

„Man kann sich mal geben, wie man ist, es wird nicht diese Forderung gestellt wie in anderen Chören!"

„Es bereichert einfach! Es belebt die ganze Persönlichkeit."

„Da wird gelacht, da wird sich unterhalten, und das war für mich neu. Das ist viel freier, und die lachen ja selbst auch!“

„Es ist einfach ein Experiment, um mal zu sehen, was man überhaupt noch kann, und - ja, es ist Freude pur!"

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Anfang 2011: Die ersten Proben

Ein Markenzeichen unseres Chores: Wir wollen durchweg Originalstücke singen, die eigens für unseren Chor entstehen. In der ersten regulären Chorprobe starten wir mit einem konventionell gesetzten, vierstimmigen „Alte-Stimmen-Tango“, der – stilistisch irgendwo zwischen Comedian Harmonists und Wise Guys angesiedelt – ein Stück musikalischer Altersdiskriminierung beschreibt:

Unser kleiner aber feiner Kirchenchor
hat seit kurzem einen neuen Herrn Kantor.
Der ist jung, dynamisch und sehr motiviert,
aber leider etwas überengagiert
vor allem wenn es um die nette
und adrette
Sopranette geht,
die bei ihm immer in der allerersten Reihe steht,
dort himmelt er sie an,
weil sie hoch singen kann
und vermutlich auch noch einfach so als Mann.

Im Verlauf vierer Strophen wird ein „Aufstand der Alten“ beschrieben, die ihren Chorleiter aus pädagogischen Gründen im Stich lassen, um ihn so davon zu überzeugen, dass eine einzelne „junge Sopranette“ noch keinen funktionierenden Chor ausmacht.

Unsre alten Stimmen
sind hier wohl nicht so recht willkommen.
Drum haben wir uns
heut Abend einmal frei genommen.
Indem wir uns die Probe schenken,
tun wir den Altersdurchschnitt senken
mit Effizienz und Garantie:
Nur er und sie,
so jung war dieser Chor noch nie,
ist das nicht toll?!

Im „wirklichen Leben“ unseres eigenen Kölner Chores wird schnell deutlich, dass der Text zwar auf allgemeine Erheiterung und viel Anklang stößt – dass dem überambitionierten „Herrn Kompositeur“ sein erster Versuch aber leider viel zu schwer geraten ist. Der Bass zu tief, die Mittelstimmen zu kompliziert – ein reichlich anspruchsvoller Einstieg, der uns viel Probenzeit kostet.

 

Material

Eine Bezugsquelle für die Noten des "Alte-Stimmen-Tangos" und andere Originalstücke wird voraussichtlich ab Herbst 2011 auf dieser Seite zu finden sein.

Der Text des Tangos als pdf-Download.

 

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November 2011: Gründung des Chores

Im November 2010 erscheint in der Wochenendausgabe einer lokalen Tageszeitung ein kleiner, zweizeiliger Veranstaltungshinweis: „Singen ab siebzig: Experimentalchor für Alte Stimmen. Anmeldung zum Schnuppertreffen unter 0221 usw.“. Binnen weniger Tage melden sich im Kölner Büro für Konzertpädagogik über 120 singbegeisterte Senioren, Beim hundertsten Interessenten müssen wir schweren Herzens eine Warteliste einführen müssen. Schon aus rein pragmatischen Gründen: In unserem Probendomizil, dem Foyer der Kölner Philharmonie, stehen uns „nur“ 100 Stühle zur Verfügung.

Da wir mit einem solchen Andrang nicht gerechnet hatten, haben wir parallel zu Köln eine "Filiale" des Chores im benachbarten Troisdorf gegründet. Hier sind zu Beginn rund 15-18 Sängerinnen und Sänger dabei.

 

Presse

Marianne Kierspel: „Auch Stimmen dürfen Falten haben“, Kölner Stadtanzeiger

„Es war einfach herrlich“ schwärmt Alexandra Naumann. „110 Leute sind in die Philharmonie gekommen. Wir haben im Foyer zwei Stunden gesprochen und probiert.“ Dass der neue Experimentalchor für alte Stimmen gleich ein so großes Echo fand, hat die Kölner Jazzsängerin überrascht. Nach einem Aufruf im "Kölner Stadt-Anzeiger" hatten sich so viele Senioren gemeldet, dass Monika Winterson im Büro für Konzertpädagogik eine Warteliste führt. Gesucht waren Interessierte ab Siebzig. Ihren Stimmen soll man das Alter auch anhören, die „Falten“. „Im Alter gewinnt die Stimme an Charakter“, sagt Projektleiter Bernhard König. Der Komponist erinnert an die markanten Stimmen eines Tom Waits oder eines Louis Armstrong.
Der Plan stammt aus dem Kölner Büro für Konzertpädagogik, das sonst Projekte mit Schülern organisiert, mit geistig behinderten Erwachsenen, mit Zuwanderern. Die Projekte sollen nicht vorrangig neues Konzertpublikum generieren. Vielmehr sollen sie das Potenzial der Gruppen selbst erkunden und musikalisch nutzen. Zum Team um Bernhard König gehören erfahrene Improvisatorinnen wie Alexandra Naumann und die Flötistin Ortrud Kegel. Sie wollen Neues für alte Stimmen erproben. Der Chor ist Teil eines Forschungsprojekts der Addy-von-Holtzbrinck-Stiftung. Kann man denn mit so vielen Amateuren improvisieren? Ja, meint Alexandra Naumann: "Die Improvisationskonzepte von Bernhard König gehen auf."

 

Anna Austrup: „Der etwas andere Seniorenchor“, WDR3 (TonArt), 24.11.2010

Dies ist keine herkömmliche Arbeit mit Sängern. Die Musik soll hier kein möglichst vollendeter Selbstzweck sein, sondern die charakteristische Stimme ihrer Ausführenden erkennbar werden lassen. (…) Siebzigjährige, die so singen, wie nur sie es können. Der Chor ohne Altersbegrenzung, dafür aber mit Mindestalter, findet Zuspruch.

Der vollständige Radiobeitrag auf WDR3 TonArt zum Anhören.

 

O-Töne

Schriftliche Rückmeldungen von Choristinnen und Choristen zu den ersten Proben

„Guten Tag, sehr geehrte Damen und Herren, das war die erfreulichste Meldung heute im Stadt-Anzeiger! Gerne möchte ich mit dabei sein. Ich bin 72 Jahre alt und habe während meines Lebens in vielen Chören mitgesungen. Am 25. November 2010 werde ich um 15.00 Uhr in der Philharmonie Köln sein. Schon heute freue ich mich darauf!“

„Sehr geehrte Initiatoren, Schöpfer eines neuartigen Chor-Experimentes, ich habe von dem Chor erfahren, durch eine Freundin, die das Glück hat, sich rechtzeitig bei Ihnen gemeldet zu haben. Leider habe ich selbst die entsprechende Notiz in der Zeitung übersehen. Ich weiß, dass sich bereits schon zu viele "Suchende" gemeldet habe, trotzdem möchte ich mein Glück versuchen und um einen Platz bitten (…)“

„ (…) dieses Projekt interessiert mich sehr, und ich möchte mich für die Probe am 25. November in der Kölner Philharmonie anmelden. Ich bin 73 und habe mich immer für zu alt gehalten, um noch in einem Chor singen zu können. Wie schön wäre es, wenn ich diesen Traum nun doch noch verwirklichen könnte (…)“

„Mit Freude habe ich Ihre Notiz im Kölner Stadt-Anzeiger "Experiment für alte Stimmen" gelesen. Ich würde gerne an diesem Projekt teilnehmen, obwohl ich im Juli erst 69 Jahre alt wurde. Ob das möglich ist? Oder muß ich einfach ein halbes Jahr warten?“

„Liebes junges Alte-Stimmen-Team, nach den ersten beiden Proben möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Mit diesem Chor ist für ein langgehegter Traum doch noch in Erfüllung gegangen, nämlich: in einem Chor zu singen, was mir bislang nicht gelungen war - auch weil ich keinen geeigneten Chor gefunden hatte. Dieser macht Spaß, tut Leib und Seele gut, und wir lernen auf unsere alten Tage auch noch eine Menge, beispielsweise die wunderbaren Übungen, die Alexandra Naumann zu Beginn der zweiten Probe mit uns gemacht hat (…)“

„Danke für das Kennenlernen Ihres Chorexperimentes - eine tolle Idee! Ich hoffe, bei einer eingerosteten Stimme platzt der Rost nach und nach ab - ja?! Vielleicht wird das durch körperliche Betätigung gefördert (…)“

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