Projektauftrag des Beethoven Orchesters Bonn
„So klingt Bonn“, titelte der Bonner Generalanzeiger und schrieb weiter: „Das Beethoven Orchester lässt Zeitzeuginnen, Geflüchtete, Schüler und Matthias Brandt von Heimat und Migration erzählen. Ein Konzert, das die Stadtgesellschaft spiegelt und die Zuhörer berührt.“
Was hier beschrieben wird, ist eines der ersten großen sinfonischen Konzerte in der neu eröffneten Beethovenhalle. Das Programm setzt sich aus Textlesungen und orchestralen Musikstücken zusammen und betrachtet das Thema “Bonn als Heimat” aus unterschiedlichen Perspektiven. Bernhard Königs Textbuch schlägt einen Bogen von den Eiszeitjägern bis ins Jahr 2050 und verbindet die Perspektive jener Menschen, die “schon immer” hier leben mit den Erfahrungen von Zugewanderten und Geflüchteten. Auf musikalischer Ebene (Musikauswahl: Tilmann Böttcher) begegnen sich Karnevalsschlager und arabisches Liebeslied, rheinische Kirmestänze und Beethovens Pastorale. So entsteht aus Text und Musik ein Gesamtkunstwerk, das so vielfältig ist, wie die Stadt, von der es erzählt.
Das vollständige Textbuch als Download
Wie klang die junge Bundeshauptstadt? Zeitzeug:innen der Generation “Achtzig plus” lassen die fünfziger Jahre lebendig werden. Bernhard König hat sie befragt, der Schauspieler Matthias Brandt trägt ihre Erinnerungen vor. Und das Beethoven Orchester unter Leitung von Dirk Kaftan antwortet mit einem alten Karnevalsschlager darauf: “Wer soll das bezahlen”?
Der Rhein war einst eine Sinfonie der Artenvielfalt. Ein Biodiversitätsforscher erklärt, warum sich das verändert hat und was jeder von uns tun kann. Und die Redaktion des Magazins „Ohrenkuss“ („Klima leicht erklärt“) hat poetische Miniaturen beigesteuert: Wie wäre es, wenn auf den Bonner Straßen Blumen wachsen würden und ich einen Dino als Haustier hätte?
“In einem fremden Land von einer fremden Sprache umgeben zu sein, das ist wie die Sahara”: Syrische Geflüchtete und Zugewanderte aus Bad Godesberg und Medinghoven erzählen davon, wie es für sie war, in einer völlig fremden Stadt Fuß zu fassen – und wie schön und befreiend es ist, endlich die eigene kurdische Sprache und Kultur leben zu können.
Von welchen Klängen war der kleine Ludwig bei seiner Geburt umgeben? Welche Lieder sangen die Eiszeitjäger von Oberkassel? Und wie klang das Bonn der Römerzeit? Vier historische Miniaturen, eingerahmt von Bernd Alois Zimmermanns “Rheinischen Kirmestänzen”.
Wie ist es, in einer Stadt zu leben, in der nicht jede Nacht Bomben fallen und die Sirenen heulen – und dennoch tagtäglich die Liebsten an der Kriegsfront auf dem Display zu haben?
Schüler:innen der Bertold-Brecht-Gesamtschule haben das dystopische Bild einer viel zu heißen Stadt unter KI-Herrschaft entworfen – und, als positiven Gegenentwurf, die Utopie einer freundlichen und weltoffenen „Beethovenhalle für alle“.
Ausführende Konzert
Matthias Brandt – Sprecher
Wasim Amajjoud, Jiyan Demir, Nise Heinemann, Ciel Kaluza, Saleh Kharbouch, Teresa Knopp, Ahlem Mechta, Chris Morais, Paul Spitzeck – Sprecher:innen-Ensemble
Mazen Mohsen – Gesang und Oud
Tetjana Miyus – Gesang
Stanislav Zhukovsky – Duduk
Bernhard König – Konzept und Dramaturgie
Tilmann Böttcher – Musikdramaturgie
Beethoven Orchester Bonn
Dirk Kaftan – Dirigent
Am Textbuch haben mitgewirkt:
Soraya Ahmadouch, Rayan Alyas Abdullah, Wasim Amajjoud, Melana Lorelei Arsinakis, Rojda Zeliha Ayalp, Nuriye Ayran, Bassma Bakkali, Konstanze Bartel, Elanur Begic, Leonie Berg, Daria Dreger, Viktoria Dupper, Dominic Edler, Stephan Eisel, Ilias El Hammouti, Lya Eshaqzai, David Extra, Nora Mareike Fiedler, Walter Friedrichs, Angela Fritzen, Gharib, Nisa Gök, Clemens Groten, Tuana Güvercin, Nisrin Hbib, Denise Heinemann, Ursula Hoffmann, Lania Izadi, Helmi Jaskiewicz, Anna-Maria Joost-Plate, Ranya Kader, Emily Ciel Kaluza, Dilara Karaismail, Lemar Khan, Saleh Kharbouch, Konstantin Löhe, Liesel Lorscheidt, Ahlem Mechta, Hudanur Mohammed, Christanvy Morais, Elke Nieveler, Asli Nur Öztürk, Ralph Peters, Ulrike Rötten, Johannes Ruhland, Elisabeth Schmitt, Ralf W. Schmitz, Johanna von Schönfeld, Leonit Sejdiu, Rauend Shabani, Miriam Somo, Fernando Mauricio Stenzel, Magdalena Strutz, Mariama Josefine Sylla, Sophie Walther, Madlin Welsch, Evelyn Wicher, Philipp Maximili Wiebelhaus, Clara Wienand, Susanne Willer, Tobias Wolf, Irem Nur Yilmaz, Jan-Benjamin Zoch sowie die Nähgruppe Malva (Bad Godesberg)
Dank an:
Ariba Arduc (Evangelisches Altenzentrum „Haus am Redoutenpark“), Michael Bergen, Nicole Birnfeld (Augustinum Bonn), Katja de Bragança (Ohrenkuss), Stephanie Graßhoff, Saman Haddad und Marisa Hafner (Begegnungszentrum MEDING:HOME), Lea Harder (Ohrenkuss), Kirsten Huppertz (Bertold Brecht Gesamtschule), Familie Knopp, Julian Röttgen, Selin Schumacher sowie an das Team des Klimaviertels Unter der Godesburg.
Kapitel 2 Ohrenkuss-Redaktionsmitglied Zhenya Holubentsev, Foto Britt Schilling Zukunftswerkstatt in der Bertold Brecht Gesamtschule, Foto Julian Röttgen
Foto: © Britt Schilling (Ohrenkuss) / Julian Röttgen (Trimum)